AULAB: Cultivating Contradictions


 

March 7th 2026, at 19.30



With: Sabine Zahn, Christina Ciupke, Simone Gisela Weber, Leon Locher, Sefa Okutan, Rose Beermann



Six artists of different ages and with different stories have spent eight weeks at the AULA in Milchhof, researching, writing, dancing, and rehearsing. On this evening, Sabine Zahn, Christina Ciupke, Simone Gisela Weber, Leon Locher, Sefa Okutan, and Rose Beermann gather around a large table with the audience to talk about their work processes and engage in a conversation. Each of the artists gives one impulse, through which their respective research question is performed. The aim is not to find ’solutions‘ but to cultivate contradictions, ambiguities, and open questions – trusting that this is where things get interesting.

AULAB is a series of experimental event formats led by Rose Beermann, that foregrounds audience encounters. The thematic focus lies on intergenerational exchange. In the following two editions, she will each time invite two artists of different ages to exchange around generational differences, similarities, and current challenges for artistic work with each other and with the audience.

07. März 2026 um 19:30 Uhr



Mit: Sabine Zahn, Christina Ciupke, Simone Gisela Weber, Leon Locher, Sefa Okutan, Rose Beermann


Sechs Künstler*innen unterschiedlichen Alters und mit verschiedenen Geschichten haben acht Wochen in der AULA im Milchhof recherchiert, geschrieben, getanzt und geprobt. Sabine Zahn, Christina Ciupke, Simone Gisela Weber, Leon Locher, Sefa Okutan und Rose Beermann setzen sich an diesem Abend mit ihrem Publikum an einen großen Tisch, um von ihren Arbeitsprozessen zu berichten und miteinander ins Gespräch zu kommen. Jede*r der Künstler*innen gibt einen Impuls, in dem die jeweilige Forschungsfrage performt wird. Dabei werden keine ‚Lösungen‘ gesucht, sondern Widersprüche, Unschärfen und offene Fragen kultiviert – in der Überzeugung, dass es an diesen Orten interessant wird. 

Das AULAB ist eine Reihe von experimentellen Veranstaltungsformaten unter der Leitung von Rose Beermann, bei der die Begegnung mit dem Publikum im Vordergrund steht. Thematischer Schwerpunkt ist der generationsübergreifende Austausch. In den folgenden zwei Ausgaben lädt sie jeweils zwei Künstler*innen unterschiedlicher Altersstufen ein, um sich mit ihnen und dem Publikum über Generationsunterschiede, Gemeinsamkeiten und aktuelle Herausforderungen für die künstlerische Arbeit auszutauschen.

 

Sabine Zahn

foto: Saskia Hebert

Sabine Zahn ist eine in Berlin lebende Choreografin, die sich in ihrer künstlerischen Arbeit mit der gegenseitigen Beeinflussung von Körpern und ihrer Umgebung, vor allem dem urbanen Raum, beschäftigt. Insbesondere untersucht sie, wie choreografisch-somatische Strategien die Art und Weise erweitern, wie Urbanität und städtischer Raum gelebt, ausgedrückt und transformiert werden kann. Sabine ist Teil der Floating University Berlin, Areal (Artistic Research Lab Berlin) und dem Choreographischen Milieu. Sie unterrichtet in den Bereichen Urbanismus, Kulturwissenschaften, Tanz und Performance.
Ich habe im Herbst 2025 eine Serie von Forschungstreffen veranstaltet, als Teil meiner Forschung am RIFS, dem Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit Potsdam. Dabei geht es um den Beitrag, den choreografisches und performatives Wissen zu den Debatten und tieferen Prozessen von Stadtentwicklung leisten können. Ich bin derzeit mit der Sortierung der Materialien beschäftigt und der Entwicklung eines geeigneten Dokumentationsformates.

Sabine Zahn (Berlin) is an artist, researcher and educator, working with the fields of choreography, urban practice, aesthetics, the city as lived space and how they complement each other. Under the term of Doing/city she explores a radical somatic angle towards space as produced through action. She works in close cooperation with other artists and spatial practitioners. Sabine is part of Floating University Berlin, Areal (Artistic Research Lab Berlin) and The Choreographic Milieu and teaches in various academic and other settings.
In autumn 2025, I organised a series of research meetings as part of my research at RIFS, the Research Institute for Sustainability Potsdam. These meetings focused on the contribution that choreographic and performative knowledge can make to the debates and deeper processes of urban development. I am currently sorting through the materials and developing a suitable documentation format.

 

Leon Locher

foto: @Josua-Josua

Leon Locher ist ein schweizerisch-deutscher Performance Creator, Performer und Autor. Seine Arbeit konzentriert sich auf die Schnittstelle zwischen Text, Körper und Raum und untersucht verschiedene Formen der Verkörperung von Text auf der Bühne als Schauplatz ästhetischer und politischer Verhandlung. Leon hat den BA Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst Wien und den MA Solo/Dance/Authorship am HZT Berlin abgeschlossen. Arbeiten von und mit ihm wurden unter anderem in den Uferstudios Berlin, der KUB Galerie in Leipzig, dem P14 Volksbühne in Berlin und dem Angewandte Performance Lab in Wien präsentiert.
Derzeit beschäftige ich mich mit der Überschneidung von Poesie und Ethik: Wie kann ein Konzept poetischer Gerechtigkeit in einem nicht-narrativen Theaterverständnis aussehen? Und wie eine Praxis der poetischen Resilienz im Kontext von Militarisierung und Ertüchtigung der Gesellschaft? Um diese Fragen anhand meiner eigenen Arbeit zu entfalten, begebe ich mich während des AULAB auf die Suche nach konkreten Arbeitsmethoden, die Lyrik, Dokumentartheater und Bewegungsforschung in einen kritischen Dialog setzen.

Leon Locher is a Swiss-German performance creator, performer and writer. His practice focuses on the intersection between text, body and space, looking at different forms of text embodiment on stage as sites of aesthetic and political negotiation. Leon holds a BA in Language Arts from the University of Applied Arts Vienna and completed the MA Solo/Dance/Authorship at HZT Berlin. Works by and with Leon were presented among others at Uferstudios Berlin, KUB Gallery in Leipzig, P14 Volksbühne in Berlin and the Angewandte Performance Lab in Vienna.
I’m currently busy with questions around the overlap of poetry and ethics: How can a concept of poetic justice look like in a non-narrative understanding of theatre? And how a practice of poetic resilience, in the context of militarization and toughening up of society? To unfold these questions within and through the span of my own work, during AULAB I aim to articulate concrete working methods that put poetry writing, documentary theatre and movement research in a critical dialogue with each other.

 

Simone Gisela Weber

foto: Alejandro Salas Strus

Simone Gisela Weber ist Choreografin, bildende Künstlerin und Performerin. Im Jahr 2025 war sie Artist in Residence an der Jan van Eyck Academie in Maastricht. Ihre Praxis entfaltet sich in dem, was sie als ‚Choreografie der Texturen‘ bezeichnet. Sie schafft Skulpturen und installative Umgebungen, die auf unterschiedliche Weise aktiviert werden können. Masken, die mit Humor und Groteskem in Verbindung stehen, werden in Verbindung mit einer skulpturalen Praxis eingesetzt, um Durchlässigkeit von Körpern und Identitäten zu untersuchen.
Family Affair (AT) ist ein Versuch, einen Prozess der Zusammengehörigkeit und Intimität einzufangen. Zwei Schwestern und ein Sohn, beziehungsweise Neffe, übernehmen gemeinsam die Aufgabe, dieses Experiment in einem Rollenspiel zu inszenieren. In diesem Spiel geht es um Schwesterlichkeit, Fürsorge und nonverbale Kommunikation. Es ist ein Versuch, den kreativen Prozess als Spiel und das Spiel als kreativen Prozess zu verstehen.

Simone Gisela Weber is a choreographer, visual artist and performer. In 2025, she was artist in residence at the Jan van Eyck Academie in Maastricht in 2025. Her practice unfolds in what she refers to as ‚choreography of textures‘. She creates sculptures and installation environments that can be activated in different ways. Masks associated with humor and the grotesque are used in conjunction with sculptural practice to explore the permeability of bodies and identities.
Family Affair (AT) is an attempt to capture a process of togetherness and intimacy. Two sisters and a son, or nephew, take on the task of staging this experiment in a role-playing game. This game is about sisterhood, caring, and nonverbal communication. It is an attempt to understand the creative process as play and play as a creative process.

 

Christina Ciupke

foto: @SzeneSalzburg_BernhardMueller

Christina Ciupke lebt und arbeitet als Choreografin und Tänzerin in Berlin. Sie entwickelt ihre Projekte gemeinsam mit Künstler*innen aus den Bereichen Tanz und anderen Künsten. In diesem Rahmen entstehen spezifische Räume und Situationen, in denen Nähe und Distanz, Intimität, Zeitwahrnehmung und das Miteinander von Zuschauer*innen und Darsteller*innen immer wieder neu verhandelt werden. Sie arbeitet eng mit den Choreograf*innen und Tänzer*innen Nik Haffner, Mart Kangro, Jasna L. Vinovrški, Ayşe Orhon, dem Komponisten Boris Hauf, dem Dramaturgen Igor Dobričić , dem bildenden Künstler Darko Dragičević zusammen. 2013 erhielt Christina einen MA in Choreografie (AMCh) von der Amsterdam School of the Arts. Mehr Informationen unter www.christinaciupke.com oder @christinaciupke auf Instagram.
Meine aktuelle Recherche ist der Versuch, Vergangenheit Gegenwart und Zukunftsvisionen zu verweben. In einem Prozess, in dem ich (Bewegungs-)Artefakte aus meiner rund zweieinhalb Jahrzehnte umfassender choreographischer Arbeit ausgrabe, versuche ich, das, was in der Vergangenheit getan wurde, und was gefehlt hat, wiederzuentdecken, zu verstehen und zu katalogisieren. Was bleibt? Und was könnte in die Zukunft mitgenommen werden? Birgt das, was bleibt, kreatives Potenzial für die Zukunft? Kann die Vergangenheit die Zukunft schützen, indem sie ihr Potenzial hegt und anreichert, bis es bereit ist, sich zu entfalten?

Christina Ciupke lives and works as a choreographer and dancer in Berlin. She develops her projects with artists from the fields of dance and other arts. Within this framework, specific spaces and situations are created in which closeness and distance, intimacy, perception of time and the togetherness of spectators and performers are constantly renegotiated. She works in close collaboration with the choreographers and dancers Nik Haffner, Mart Kangro, Jasna L. Vinovrški and Ayşe Orhon, the composer Boris Hauf, the dramaturge Igor Dobričić and the visual artist Darko Dragičević. In 2013, Christina received a Master of Arts in Choreography (AMCh) from the Amsterdam School of the Arts. For more information, visit www.christinaciupke.com or @christinaciupke on Instagram.
My current research is an attempt to interweave the past with the present and with future imaginations. Through a process of excavating movement artefacts from my body of work, spanning approximately two and a half decades, I am seeking to re-discover, understand, and catalogue what has been done in the past, and what has been missing. What remains? And what might be carried into the future? Do these remains hold creative potential for what is yet to come? Can the past protect the future by incubating and enriching its potential until it is ready to unfold?

 

Sefa Okutan

Sefa Okutan ist eine in Berlin lebende Tanz- und Performance-Künstlerin, die an der Schnittstelle von verkörpertem Protest und queeren Mythen arbeitet. Ihre Arbeit untersucht Freude und Wut als transformative Kräfte durch Folklore, Drag und Communityerfahrung. Ihre jüngste Arbeit ‚Gasoline Queen‘ sowie ihre Kollaboration mit İrem Aydın, ‚Planet Lubunya‘, wurden im Ballhaus Ost aufgeführt, ihre Kollaboration mit Kareth Schaffer, ‚Bird Dances‘, in den Sophiensaelen. Sefa engagiert sich auch in der Community-Arbeit für Critical Queer Solidarity. Sie möchte Räume schaffen, in denen das Annehmen des Seltsamen die gemeinsame Grundlage für Verbindungen schafft. Mehr Informationen unter https://sefaokutan.de/
Sefa kreiert Performances, in denen kritische Fragen durch kreative Impulse an das Publikum gestellt werden. Im Moment beschäftigt sie sich mit einer folkloristischen Figur aus dem Balkan und dem Nordosten der Türkei: ‚Karakoncolos‘, die für ihre subversive Natur bekannt ist.
Sefa Okutan is a Berlin-based dance and performance maker working at the intersection of embodied protest and queer myths. Their work explores joy and rage as transformative forces through folklore, drag and community experience. Her most recent work, ‚Gasoline Queen‘ as well as her collaboration with İrem Aydın, ‚Planet Lubunya‘, were performed at Ballhaus Ost, while her collaboration with Kareth Schaffer, ‚Bird Dances‘, was staged at Sophiensaele. Sefa is also involved in community work for Critical Queer Solidarity. She aims to create spaces where embracing the weird becomes the common ground for connections. For more information, visit https://sefaokutan.de/.
Sefa creates performances in which critical questions are posed to the audience through creative impulses. She is currently working on a folkloric figure from the Balkans and northeastern Turkey: ‚Karakoncolos‘, known for her subversive nature.

 

Rose Beermann

Rose Beermann ist Künstlerin und Kulturwissenschaftlerin. Sie arbeitet als Choreografin, Regisseurin, Performerin und Dramaturgin in den Freien Darstellenden Künsten. Sie realisiert eigenen Arbeiten im Bereich des experimentellen Tanzes, welche an unterschiedlichen deutschsprachigen Theatern und auf internationalen Festivals gezeigt wurden. Ihr Interesse an akademischer Forschung und Lehre führte sie zunächst an das Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen, dann u.a. an das HZT Berlin. Seit Oktober 2022 ist sie Doktorandin im Graduiertenkolleg ‚Dokumentarische Praktiken. Exzess und Entzug‘ an der Ruhr-Universität Bochum, wo sie Trägheit als widerständige Kraft erforscht. Mehr Informationen unter https://rosebeermann.de/.
In meiner Arbeit erforsche ich Entstehungsprozesse kollektiver Körperbilder, dafür untersuche ich performative Paradigmen und choreographische Strukturen, denen ich in meinem Alltag begegne. Im Moment interessiere ich mich für die Ambivalenz von Vulnerabilität: Der Begriff der Verwundbarkeit oder Verletzlichkeit war für mich lange Zeit positiv besetzt, er stand für Offenheit, Durchlässigkeit und die Fähigkeit, sich von anderen berühren zu lassen. Seit in meinem Alltag mehr und mehr Bilder von verletzten oder gar toten Körpern auftauchen, befrage ich dieses Verständnis von Vulnerabilität: Wer kann es sich leisten, vulnerabel zu sein? Und wie unterscheiden sich ein offener, durchlässiger von einem verwundeten Körper?

Rose Beermann is an artist and researcher. She works as a choreographer, director, performer, and dramaturge in the field of independent performing arts. She creates her own works in the field of experimental dance, which have been shown at various theaters in German-speaking countries and at international festivals. Her interest in academic research and teaching first took her to the Institute for Applied Theater Studies in Giessen, then to HZT Berlin, among others. Since October 2022, she has been a doctoral student in the research training group ‚Documentary Practices: Excess and Withdrawal‘ at the Ruhr University Bochum, where she is researching inertia as a force of resistance.
In my work, I explore how collective body images emerge, examining performative paradigms and choreographic structures that I encounter in my everyday life. At the moment, I am interested in the ambivalence of vulnerability: for a long time, I associated the concept of vulnerability with positive connotations, seeing it as a sign of openness, permeability, and the ability to be touched by others. Since images of injured or even dead bodies have been appearing more and more in my everyday life, I have been questioning this understanding of vulnerability: Who can afford to be vulnerable? And how does an open, permeable body differ from a wounded body?

 

Die AULA wird im Jahr 2026 gefördert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt in Berlin.